Malen am Computer


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Abgeschickt von Hans A. Lasslob am 04 September, 2008 um 16:09:11

Malen mit dem Computer

Versuch einer Erläuterung zu Absichten und Möglichkeiten

Warum nimmt jemand, der einfach nur „normale Bilder“ machen möchte, nicht Stift und Pinsel zur Hand, Leinwand und Papier? Einfach wäre es, mit der Gegenfrage zu antworten: muss er unbedingt? Aber so einfach ist fast nichts – im Bereich dessen, was Kunst genannt sein möchte, sowieso nicht. Computer-Bilder ohne Animation, Interaktion und 3-D-Effekt? Wozu dann?

Zunächst einmal hat das Malen mit Hilfe des Computers ganz praktische Aspekte, denn er ist ein besonders kleines und (nach außen!) immer aufgeräumtes Atelier; und er bietet dennoch zahlreiche unterschiedliche Techniken, wenn auch virtuell.
Damit ist auch schon einer der Gründe angedeutet für den Einsatz des Computers: Nirgend sonst lassen sich so verschiedene Mal-Techniken so intensiv verschmelzen, auch wenn der Rechner sie „natürlich“ nur simuliert.

Die Frage nach dem Effekt gilt als degoutant in der Bildenden Kunst, und das ist auch richtig, wenn Effekt-Haschen gemeint ist; ansonsten kommt die Kunst nicht aus ohne Effekte; sie ist daraus gebaut. Insoweit sieht der Computer-Maler sich entschuldigt, wofern es überhaupt einer Entschuldigung bedarf.
Parallel zur Mischung der Techniken, bis hin zur Collage auf der Grundlage eingescannter Teile, ist auch eine andere Form des mischenden Verbindens in der (von mir) gewünschten Form nur am Computer möglich: Eine enge Verbindung des intuitiven, aus dem Moment entstandenen Striches mit dem Be- und Errechneten.

Dies Letztgenannte wäre freilich auch auf dem Weg der Konstruktion mit Lineal und Zirkel möglich, doch erstens ist der Computer hier schneller und noch exakter, zweitens aber bleibt er bei der Anordnung elementarer Formen flexibel, ja frei. Und hier tritt sogar in den streng geometrischen Farbgraphiken das Erste in Aktion, das Augenmaß, die Intuition, der Augen-Blick.

Die schon erwähnte intuitive Linie oder Fläche findet auf zwei Wegen hinein in den Rechner: indem sie (seltener) auf Papier entworfen und dann eingescannt wird, oder mit Hilfe eines sogenannten Graphik-Tabletts, das ein Arbeiten mit einem Stift in der Hand an Stelle der „Maus“ erlaubt. Damit lassen sich Stemmeisen und Stechbeitel des Holzschneiders gewiss nicht ersetzen, eine gefühlsmäßige Annäherung an die Arbeit mit diversen Stiften und Pinseln ist dagegen durchaus zu erreichen.

Zu betonen bleibt noch, dass es nicht auf das ständige Bemühen der PC-Branche ankommt, synthetische Werkzeuge (oder Instrumente, wie in der Musik-Computerei) „wie echt“ aussehen (oder klingen) zu lassen. Es darf einem Bild gern anzusehen sein, dass es am Computer entstanden ist – darum muss es noch keineswegs ein „Computerbild“, also vom Rechner gemacht sein.

Das Verschmelzen zunächst getrennter Arbeitsgänge, die variable An- und Zuordnung mehrerer Ebenen (in doppeltem Sinn) – und vor allem die Verbindung des Augenblicklichen mit dem Berechneten, Berechenbaren, das macht den Reiz des Malens am und mit dem Computer.

lb



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